31.03.2017

Kulturakademie 2017

Kulturakademie 2017

Kunst ist Austausch. Kunst ist Sprache. Kommunikation auf vielen Ebenen abseits simpler Information. Eine der ältesten Formen ist zweifelsohne die bildende Kunst. Höhlenmalereien und alte Steinkerbungen lassen sich auf die Zeit von vor über 40 000 bis zu 100 000 Jahren datieren. Kunst ist wohl eine der ältesten Sprachen überhaupt. Und sie ist überall auf der Welt verbreitet. Die Grammatik der Kunst ist das Handwerk des Künstlers. Es verpackt den Inhalt des Gesprächs, sei es Kritik, Aussage, Beschreibung oder das bloße Ideal einer Ästhetik, über die Kreativität des Handwerkers zu einem Werk, welches zwar objektiven Bedingungen unterliegt, aber über die Grenzen jeder Objektivität hinausgeht.  Bildende Kunst schafft Momente ohne zeitliche Begrenzung. Sie ist festgewordene Zeit in visuellen Gedanken. Doch wie jede Sprache, muss auch die Kunst erst erlernt werden, von jenen, die sie sprechen möchten. Die Gelegenheit zu einem lingualen Austausch in die Welt der Kunst und Kultur erhielten die Teilnehmer der Kulturakademie 2016/17.

Vom 27. Februar bis zum 03. März 2017 trafen sich die neunzehn ausgewählten jungen Schüler/innen in der Akademie Schloss Rotenfels zu der zweiten Kreativwoche der Kultur-akademie des Jahrgangs 2016/17. In zwei intensiven Workshops durften sie ihre Fähigkeiten bekräftigen und neue Methoden und Möglichkeiten zur Auslebung ihrer Kreativität erlangen. Dabei wurden sie von professionellen Künstlern angeleitet, um ein tieferes Verständnis über die Komplexen Vorgänge in die Grammatik der Kunst zu erhalten. Das gesamte Projekt der Stiftung Kinderland (Baden-Württemberg Stiftung) bietet Kindern seit 2010 die Möglichkeit zur Förderung ihrer Begabungen. Die Nachwuchskünstler konnten sich erneut ein Stück weiterbilden, über die „Grammatik der bildenden Kunst“. Durch ein vorangegangenes Auswahlverfahren haben die Schülerinnen und Schüler bewiesen, dass sie die nötige Kreativität besitzen und den Willen haben ihre Fähigkeiten in der Kunst zu vertiefen. Die Ergebnisse ihres neuen Schaffens konnten zusammen mit den Werken anderer Projekte der Kulturakademie aus den Bereichen Literatur, Musik und Wissenschaft am Samstag, den 04.März 2017 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart besichtigt werden.

Workshop 1, Malerei: Kreatives, aber strukturiertes Arbeiten vermittelte Mick Starke, freischaffender Künstler aus Karlsruhe, in seinem Workshop der Malerei. Als Motiv erstellten die Schüler eine Collage aus Zeitungs- und Magazinschnipseln, welche sie nach Bedeutung und Ästhetik anordneten. Farbkomposition wie Symbolik der Motive konnten gleichermaßen eine Rolle spielen. Die Collagen wurden nach einer Besprechung mit dem Experten feinjustiert, und anschließend mit Acrylfarben mittels der Methode des Rasterverfahrens auf eine großformatigen Leinwand übertragen. Diese Vorgehensweise ermöglicht durch ihre Vielfalt ein hohes Maß an kreativem Potenzial. Ihr Reiz liegt in der Verbindung von zufällig bereitgestellten Elementen aus den Medien mit der Phantasie des Künstlers. Sie sind an kein absolutes Motiv gebunden, sondern schaffen das Modell für ihre Arbeit selbst. Dabei wird das Denken in Zusammenhängen geübt, und ein strukturierter Aufbau der Arbeitsweise erlernt. Währenddessen erhielten die Kinder auch Kenntnisse über Farbkompositionen, Bildgestaltung und Umgang mit Farbe und Leinwand vom Experten.

Workshop 2, Bildhauerei: Raimund Ilg ist Kunstpädagoge und Fachberater am Regierungspräsidium Freiburg. Im Vor-jahr hatte der erste Teil der Gruppe des Jahrgangs 2016/17 menschliche Holzskulpturen in stehender Position unter seiner fachlichen Leitung geschaffen. Der zweite Teil der Gruppe arbeitete nun mit Kalkstein an einem menschlichen Abbild in liegender, hockender oder sit-zender Position. Hierzu erforderlich waren zuerst einige Grundkenntnisse der menschlichen Anatomie. Anhand von Körpermaßregeln und mit Hilfe von Maßstabskizzen gestalteten die Schüler/innen Drahtmodelle einer menschlichen Physis. Diese konnten mit Lehm erweitert und positioniert werden. Mit diesem dreidimensionalen Abbild erstellten die Jungen und Mädchen der Kulturakademie unter der professionellen Leitung des Experten nun eine Skizze. Diese wurden auf die knapp 30 cm x 30 cm großen Steinquader angezeichnet. Das be-hauen des Kalksteins ist nicht körperlich aufwendig, erfordert jedoch wegen der porösen Struktur des Kalksteins äußerste Konzentration und ein geschultes Auge. Mit Sägen arbeite-ten die jungen Bildhauer die Grundstrukturen aus dem Stein heraus. Anschließend schufen Schlag für Schlag der Schülerinnen und Schüler ein maßstabgetreues Kunstwerk eines menschlichen Aktes. Während zu Beginn noch kleine Fehler kaschiert werden konnten, verzieh die spätere Figur kaum noch Patzer. Dadurch wurde den Schützlingen der Baden-Württemberg Stiftung ein Verantwortungsbewusstsein für das eigene Werk vermittelt. Neben Kenntnissen der Anatomie lehrte Raimund Ilg auch den Umgang mit geeigneten Werkzeugen. Die Skulpturen wurden nach dem letzten Feinschliff für den Transport nach Stuttgart vorbereitet.

Ausflug in das ZKM: Am Donnerstag konnten die Schüler/innen etwas Abstand zu den eigenen Werken gewinnen. Eine Exkursion in das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe gab Einblicke in die Welt der etablierten Künstler. In einer interaktiven Führung gewannen sie in zwei Ausstellungen des ZKM neue Erkenntnisse über die vielfältige Welt von Fotogrammen und Architektur. Im Anschluss war eine weitere Ausstellung für die Jungen und Mädchen der Kulturakademie begehbar. 

Performance: Für die Abschlussveranstaltung der Kreativwoche der Kulturakademie wurde mit der Perfor-mancekünstlerin Kristin Gerwien ein Kunstwerk der, für die meisten Schülerinnen und Schü-ler, neuen Art geschaffen. Performance ist ein Gemälde für den Augenblick. Das eigene Werk wird nun auch durch eine Zeitachse bestimmt. Der Künstler wird nicht nur symbolisch Teil der Kunst. Er ist das Werk. Mit Vorübungen und Diskursen in der Gruppe wurde an die Arbeit eines Performancekünstlers herangeführt. Für die Präsentation am Samstag erarbei-tete die Gruppe mit Kristin Gerwien eine eigene Performance. Hierzu wurden Kostüme in Gruppenarbeit geschaffen, mit Schminke und Maskierung experimentiert und Musik interpretiert. Es wurde ein langer Abend. Doch wer Kunst später einmal zu seinem Beruf machen möchte, braucht auch Durchhaltevermögen. Diese Fähigkeit stellten zweifellos alle Teilnehmer der Kulturakademie unter Beweis. Unzählige Wiederholungen brauchte es, um das lebendige Bild zu vollenden. Alles für die große gelungene Ausstellung im Haus der Wirtschaft am nächsten Tag.

 
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